

Andrea Karimé
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Andrea Karimé
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18. Jan.6 Min. Lesezeit


Andrea Karimé
4. Jan.3 Min. Lesezeit
buchstabenrascheln
andrea karimé, kinderbuchautorin
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(tagebuchstaben sind Minigeschichten und Notate vom Tag, von einer die für Kinder schreibt, geschrieben in Zeiteinheiten, in denen sie nicht für Kinder schreibt. Ein- oder zweiwöchentlich als Blogartikel. Meistens mit Wolken und Morgenkaffee. Immer mit #kidsbookswritersmoments und einem Montagsgedicht.)

enthalten die letzten zwei Wochen mit rusted robots, Schnee und Abschied von Schwäbisch-Gmünd (mit drei Sternen und Schade-Schokolade und einem Öyküküsch in Kinderzeilen), mit einem Auszug aus meiner Poetikvorlesung zur Frage, wie das Kreative Schreiben das Lesen fördert und mit Kapitelmanns sprechenden Fischen. Alles im plötzlichen "Abla-Modus" und in Audre Lordes poetisch-aktivistischem Hallraum und der „Traurig Miau-Glocke“ des Montagsgedichts.
Morgenseiten. Morgenweiten. Das Licht spuckt Licht. Stiftschweifen. Kaum Federvieh. Ein Licht verschnäbelnder Spatz am Rande über meinem Satz. Ein klangzuckender Vogel. Oberer Rücken würd neuerdings von einem Gürteltier bewohnt, klein und klettig. Muss Übungen machen und zur Osteopathie gehen. Das Handy liegt einen Raum weiter. Damit es nicht zufällig in meine Hand rutscht und F O-K Ü S S E verjagt. Diese Woche will ich einen Newsletter schreiben. Was soll drin stehen? Auf jeden Fall nichts Geunktes. Nichts Getunktes.
Zwanzig nach acht und noch nicht hell. Ich denke an die vergangenen freien Tage, an denen ich mit dem Licht aufgestanden bin. Also später. Nun sitze ich ohne Licht an der Maschine. Muss eine Poetik-Vorlesung für nächste Woche schreiben. Kraut und Rüben wachsen auf dem Bildschirm. Audre Lorde hilft mir: „Poesie macht etwas möglich. … Sie macht dich möglich. Sie bewegt dein Leben“, schreibt sie in dem Band „Kraft Vertrauen Widerstand – Kurze Texte und Reden“, zu dem ich immer wieder greife, wenn ich über die Arbeit mit Kindern und Kreatives Schreiben nachdenken. Audre Lorde hat ihre Arbeit als Dichterin als untrennbar mit ihrer Arbeit als Aktivistin und Lehrerin begriffen. Sie wollte dazu beitragen, dass Schwarze Frauen ihre Stimme nutzen und „Welt mit sich auslegen“, wie Celans Vers beschreibt. „Das Zeugnis euren täglichen Lebens ist die fehlende Reihe im Gewebe unserer Zukunft!“, schrieb sie im bereits erwähnten Band. Und damit ist sie mit der Mosaikbibliothek verknüpft, von Ndey, die hole ich gleich mal hervor und webe sie in den Text.
Ein Sturmtief, das wie meine deutsche Oma heißt, und Schnee legen das Land lahm, oder zumindest die Deutsche Bahn. Bin so froh nicht reisen zu müssen. Erst nächste Woche fahre ich nach Reutlingen und hoffe das Beste. Das Leben ist nicht immer Poesie. Aber immer Geschichten. Hab Nnedi Okorafors 600 Seiten beendet. Fantastisches Buch, mit ein paar Schwächen ja. Ich habs sehr gern gelesen, vielleicht weil ich Autorin bin, aber die Verbindung der Geschichte in der Geschichte und die Wendung am Schluss hat mich überzeugt und vor allem wie sie Geschichten erzählen als unendliche kosmische Intervention über Zeit- und Raumgrenzen hinweg etabliert. Gelungen u.a. mit einer absolut unerwarteten gigantisch fantastischen Wendung. „Storytelling verbindet unsere mit anderen Dimensionen“, meint David Zabel im superspannenden Gespräch über das Buch mit Georgina Fakunmoju / readers gonna read podcast. Rusted robots 4 ever.
Ein Großbuchstabe, ein Kapitale, ein Großstadtbuchstabe will auf meinen Schoß. Er zittert, weiß nicht mal mehr seinen Namen. Flüstert mückenbeinchendünne Lyrik. Aus den Tintentiefen der Serifen. Aber, aber. „Mein Beruf hat dann eine Bedeutung, wenn er Bedeutendes anspricht“, sagt Saša Staniṣ̌ić im Interview mit Radio Bremen. Tja, Bedeutendes ist, wenn Masal-Eda, 9, sagt: „Verrückt schreiben ist gut, da kommen mehr Ideen in mich rein.“ (Kennt Kapitelmann Masal-Eda?) Eigentlich sagt das alles, aber ich werde 45 Minuten füllen müssen.

Ich packe für erste Lesungen 2026. Packen für 2 Tage Hotel. In Sachen Leseförderung und Kinderliteratur geht's nach Süddeutschland. Erst in Tübingen vor 160 Kindern lesen, dann Kinderworkshop und Vorlesung in Schwäbisch Gmünd. Ich packe Wörter ein. Im Morgenseitenheft, im Tolino, im Computer, in Büchern, denn „wenn die Wörter mal fehlen, dann nehmen diese fehlenden Wörter so unglaublich viel Platz in einem weg.“ (aus: Dimitrij Kapitelmann "Russische Spezialitäten", unbedingt empfehlenswertes Buch.) Ich packe deshalb auch Wörter hinter die Stirn. Dort sitzen sie vornehm auf dem winzigen Hirn-Sofa und warten darauf, gedacht oder gesprochen zu werden. Oder vielleicht setz ich mich zu ihnen.
(Weitere Wörter, eingepackte: Wörter in Büchern (aus denen ich vorlese und das ich aktuell lese.) Wörter im Morgenseitenheft. Und da schreib ich täglich welche rein. Beim ersten Morgenkaffee am besten. Wörter im Computer. Im Zug arbeite ich meistens. Und dann ist da ist auch meine Vorlesung drin. Wörter im Manteltaschenbuch. Für die Wörter, die unterwegs vom Himmel fallen. Wörter auf dem Handy. Hörbücher für Zug und zum Einschlafen manchmal. Gerade höre ich das großartige "Single Mom, Supper Club" von Jacinta Nandi, Illusionsräuberin, lustig, viel englischer (nicht immer angenehmer) Humor.) Dimitrij Kapitelmann, ich bin gewappnet.
Hotelfrühstück. Mandarinenzeilen. Natürlich auf dem Zimmer. Ein Teller mit Vollkornbroten, 1 Ei und Obst. Das, was gut zu transportieren ist. Obst ist ein typisches deutsches Häufchen Konsonanten. Der Apfel wird mitgenommen. Dann vor 180 Kindern verteilt auf zwei Lesungen lesen. Die Schule möchte sparen. (Ja, ja, muss.) Aber gut, ich werde mein Bestes geben. „Das Gespenst der Poesie ist bereits in der Stimme verborgen, die der Sprache vorausgeht und das Werk zu Beginn leitet.“ Passt das? I do not bother.

Schwäbisch Gmünd. Gleich Vorlesung und Kinderworkshop. Gestern mit Kollegin und Freundin Jessica Lawson über meinen Schreibworkshop mit Kids gesprochen. Ich so: „Die Kinder hauen die Wortschöpfungen, die keiner versteht, einfach in Texte, ohne sie zu erklären.“ (Als wäre das ein Problem!) „Ist doch super!“, lachte sie begeistert. Ich höre ihr Lachen wie Sprudelwasser und lache inspiriert mit. Dass ICH daran erinnert werden muss, dass Kinder schreiben dürfen, was sie möchten, auch wenn Erwachsene sagen: „Versteh ich nicht“, ist ein Hammer. Ich muss an mein eigenes Credo erinnert werden? Die erfrischende Begeisterung steckt mich nachhaltig an und ich fühle Audre Lorde, Célestin Freinet und Judith Baumgärtner in meinem Kopf nicken. Als ich später im Imbiss von jungen Kanaks mit Abla auf Türkisch angesprochen werde, weiß ich Bescheid. Andrea im Abla-Modus. Got it? Nein? Macht nichts.

Schade-Schokoladiger Abschied von Schwäbisch Gmünd. Von Nazli, Marlene, Pauline und Rebecca und überhaupt dem wunderbaren Germanistik-Team der PH. Im Kinderworkshop vor der Vorlesung entsteht eine Welt. Öyküküschs flattern mit Alien-Pferden aus Tafelkreiden in Mini-Zines. Türkisch und Russisch breiten sich in Seiten aus. Nach der Vorlesung kriege ich Schweizer Schokolade und drei glänzende Sterne überreicht, für jede Vorlesung eine. „Ich bleibe dabei“, sagt Professor Nazli zum Abschied coram publico, „eine würdige Autorin hat die Poetikdozentur hier eröffnet“. Es regnet sehr passend, sehr stark. Alle Züge sind pünktlich. Auf der Heimfahrt esse ich Schokolade aus der Schweiz und kriege eine Nachricht vom Verlag: Titel fürs Kinderbuch steht fest.
Wenn das Schreiben Spaß macht, mache ich es weiter. Wenn ich weiterschreibe, lerne ich es. Schreiben lernst du durch Schreiben, auch so eine Autor*innen-Erfahrung. Nicht durch Überlegen. Durch Spaß in den ersten Jahren wird der Weg bereitet, sich mit Texten kritisch auseinanderzusetzen. Das eigene Schreiben zu überarbeiten. Aber erst einmal muss es Spaß machen. Ich weiß: „Das Leben ist kein Ponyhof!“, und ja es müssen Dinge gemacht werden, bei denen es absolut unerheblich ist, ob sie Spaß machen oder nicht, wie Aufräumen und Zähne putzen. Aber Satzanfänge variieren und Einleitung Hauptteil Schluss in den ersten Schulbesuchsjahren gehören meines Erachtens nicht dazu. Ganz im Gegenteil, sie verhindern Spaß und Kinder wenden sich von dem Ab was keinen Spaß macht. Vom Lesen und Schreiben nämlich.
Was den Kindern am meisten Spaß macht ist „Unsinn“ und alles wo man nichts falsch machen kann. Wir erinnern uns an Masal-Eda. „In der Schule schreibe ich logisch. Ich mag auch verrückt schreiben, da kommen mehr Ideen in mich rein“. Masal erfindet gern selbst Textregeln, „Wenn ich kein Reimwort finde, denk ich mir eins. Zum Beispiel Türkei / Kürkei“ (Masal-Eda, 9)
In der Schule ist Schreiben für viele Kinder Stress. Drei Gründe nennen fast alle Kinder, wenn ich sie danach frage: (Hier weiterlesen zu diesem Thema.)
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Im Schnee lagen drei Töne
die ich dir sachte trockenföne
einer von Blauflocke
einer von Schlausocke
einer so traurig Miauglocke
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