top of page

"das wort ist ein geschichtenbüro" erik, 4

Salam, Frau Prien. Tagebuchstaben 9/26

  • Autorenbild: Andrea Karimé
    Andrea Karimé
  • 26. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen


Tagebuchstaben 8/26

(Minigeschichten und Notate vom Tag, von einer die für Kinder schreibt, geschrieben in Zeiteinheiten, in denen sie nicht für Kinder schreibt. Ein- oder zweiwöchentlich als Blogartikel namens #tagebuchstaben. Meistens mit Wolken und Morgenkaffee. Immer mit #kidsbookswritersmoments und einem Montagsgedicht.)


Diese Woche mit einem Spezial aus meiner Kinderschreibwerkstatt in Köln-Kalk. Anna erfindet eine Weltraumschule, spricht Farsi und Deutsch und schreibt wie alle anderen 11 Kinder an Frau Prien, damit sie sich freut und Kinder nicht mehr vergisst. Und damit sie sieht wie wichtig Kindern Kunst- und Schreibfreiräume sind. Das Programm "Kultur macht stark" schafft solche Räume. Schreib-Kids aus Köln-Kalk drücken mit der Wunderkraft der Poesie aus, was ihnen an der Schreibwerkstatt wichtig ist. In Mini-Schreibgesprächen enthüllen sie ihre Gedanken. Und ihr lest, wie der Schüler L. den Zauber schöner Sätze entdeckt. Poesiebeistand gibts von Agnieszka Lessmann und ein Montagsgedicht am Ende von mir.


Wörterwelten in Köln-Kalk

Schon seit Januar läuft die Schreibwerkstatt über den Bödecker Bundesverband und das Familienministerium in Köln Kalk. Gemeinsam mit Yasemin Aslanhan von der Chancenwerkstatt der Awo Ostheim und einer OGS sowie Tuncay Tonsun findet sie fast jeden Donnerstag statt. Inspiriert durch die Idee Community Arts werden viele Texte und Bilder gemeinsam entwickelt und auf irgendeine Weise veröffentlicht. Im Beitrag Vogel heißt Paki habe ich schon einmal davon berichtet. Hier Spots und Texte aus der letzten Sitzung.


Anna

Salam heißt Frieden, aber auch Hallo. Anna erfindet eine Weltraumschule, spricht Farsi und Deutsch und schreibt wie alle anderen 11 Kinder an Frau Prien, damit sie sich freut und Kinder nicht mehr vergisst.
Salam heißt Frieden, aber auch Hallo. Anna erfindet eine Weltraumschule, spricht Farsi und Deutsch und schreibt wie alle anderen 11 Kinder an Frau Prien, damit sie sich freut und Kinder nicht mehr vergisst.

Der Junge der das Dichten entdeckt

Das ist mein Satz, sagt L, 9. und meint: "Geschichten in allen Sprachen machen mich fröhlich. Und dich?" Ich zeige ihm die weißen neuen Notizbücher, Geschenke von der Mercator-Uni, und wie ich diesen in meines notieren würde, wenn ich ihn besonders fände. Nämlich als Gedicht.

Postkarten gestaltet mit bunten Pastellkreiden und dem Satz: Kultur macht stark.
Post-Karten an Frau Prien. Mit Yasemin von der Chancenwerkstatt Ostheim werden Pastellkreiden erkundet. Denn Kultur macht stark.

Und während die anderen schon feuereifrig mit Yasemin die Pastellkreiden ausprobieren, verreiben, reiben, vermischen, setzt sich L. über das neue Buch und schreibt in Schönstschrift.


Und Geschichten sind Freunde ohne Buchstaben ist die Welt verloren ABDCEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ (Aus dem Notizbuch von L.)


Das Notizbuch eines Jungen. Sätze die ihm wichtig sind, als Gedicht gesetzt.

Geschichten in allen Sprachen machen mich fröhlich. Und dich? (Aus dem Notizbuch von L.)

Hüsna

Hüsna liebt das Schreibgespräch auf den Plakaten. Ihre Lieblinge führt sie auf der Postkarte weiter. Lässt sie fliegen.

Eine selbstgeschriebene Postkarte.
Hüsnas Minigedicht, von Rose Ausländer inspiriert mit Pastellkreiden aufgehaucht.
Das bedeutet "Kultur macht stark" für mich Vögel die fliegen in ein Haus und dann kommen Wörter Merhaba
Hüsna, 9


Übrigens: "Community Arts bezeichnen dabei eine Vielzahl künstlerischer Aktivitäten, die gesellschaftliche, verbindende Elemente beinhalten und in der Verbindung verschiedener Künste, gesellschaftlicher Gruppen, räumlicher, situationaler, sozialer Kontexte bestehen können. Die Idee der Community Arts basiert und reflektiert darüber hinaus die Beziehungen, die ein Individuum zu sich selbst, zu den Dingen, der Natur, den Städten, den Bauwerken, den Umgebungen haben kann und bindet diese in künstlerische Praktiken, Aktivitäten oder Betrachtungen ein." (https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00077125/Lichtenstein_Praktiken_Community_Arts.pdf)

Die Schreibgespräche

Auf große Plakate schreiben Kinder über kulturelle Praxis. Wenn sie nicht weiterwissen wechseln sie. Hier die Transkripte.

Kinder stehen an einem großen Tisch und schreiben auf Plakate.
Schreibgespräche. Warum macht uns Kultur stark?

Meine Sprache

Meine Sprache fliegt, ist wichtig, ist lustig für die Welt

Meine Sprache ist viele Sprachen und da ist eine Katze

Spricht zu mir und das macht Spaß

 

Malen

Malen macht stark. Weil du kreativ bist.

Malen macht mich lustig und stolz

Malen ist schön.

 

Schreiben

Scheiben macht auch stolz.

Affe Abdou liebt schreiben.

Er lebt in Mazedonien und schreibt immer.

 

Zeichnen

Ich zeichne ein Weltall voller Fische aus Japan.

Und ein Schwimmbad, das Geschichten erfindet.

Alle Buchstaben.

Was ich will.

Weil es schön ist.

In der Umkleidekabine kann man duschen.

Und das ist praktisch.

 

Geschichten

Ich schreibe gern Geschichten, die beste Freunde sind.

Und über meine komischen Träume.

Ich schreibe gern am Morgen.

Und an Weihnachten.

Über ein Mädchen und eine Katze.

Über andere Länder, die schön sind.

Italien, Montenegro, Türkei, und da gibt’s auch tolle Tiere.

 

Geschichten

Geschichten erfinden mit Sharon.

Ihre Geschichte geht um einen Furz, der sagt: „Du Pups!“

Geschichten in allen Sprachen machen mich fröhlich.

Und dich?

Es ist mir auch sehr wichtig!

 

Wörter

Meine Wörter sind sehr lang und manchmal

Langweilig

Lustig

Nett

Vögel, die fliegen in ein Haus

Und dann kamen sie raus und fliegen nach Italien.

Ruhi fliegt nach.

 

Meine Geschichten

Meine Geschichten sind wichtig und lustig 

und fantastisch und spannend.

Wichtig für die Welt sind Personen und viele Dinge.

Für mich und für dich.

Für Kinder und Erwachsene und Aliens.

Meine Geschichten sind lustig und stark und für Kinder geeignet.

Und für Meerschweinchen.



Sonntag, der 26.4. 2026 (Taubenruhe)

Ich zwinge mich heute in die Buchstabenschlingen. Zwinge mich zu schreiben. Zwinge, mich zu schreiben, und so weiter. „Alles ist immer alles“, so die neunjährige Dichterin Ruhi aus meiner Kinder-Schreibwerkstatt in Kalk. Taubenruhe im Hof. Sonne. „Die Sonne hat mit den Wörtern nichts zu tun. Fast nichts.“ (Agnieska Lessmann.) Longlist der Ängste und Pflichten im Kopf. Und Theodor Wonja Michael. „Ich bin Deutscher, ich lass mich doch nicht vertreiben!“ Eine Afrodeutsche Perspektive die mir Kraft gibt. Die Enkelin weist darauf hin, dass ihr Opa nicht immer so stark und kämpferisch war. Auch bei ihnen galt häufig nicht aufzufallen. Kenn ich ja. Mein Vater fiel immer auf. Damals waren PoCs wörtlich Aliens, zum Beispiel auf deutschen Sofas. Von anderen Planeten. Heute nicht mehr, aber dafür Hauptdarsteller im populistischen Idiom Deutschlands. Was besser ist?


Montagsgedicht


ክልተ

Kilete, kilete

zwei sind du und ich

Kilete Kilete

zwei so dich und mich

Kilete, kilete

zwei sehr kitzelich


Kilete ክልተ bedeutet 2 auf Tigrinya


Nichts mehr verpassen? Newsletter buchstabenrascheln abonnieren. Jedes Mal mit News und Infos aus dem großen Themenbereich „Kinder-Sprache/n-Leseförderung-Kreatives Schreiben“, einem Gedicht und einem Wortgeschenk aus anderer Sprache.

Kommentare


bottom of page