

Andrea Karimé
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buchstabenrascheln
andrea karimé, kinderbuchautorin
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(Tagebuchstaben sind Minigeschichten und Notate vom Tag, von einer die für Kinder schreibt, geschrieben in Zeiteinheiten, in denen sie nicht für Kinder schreibt. Ein- oder zweiwöchentlich als Blogartikel namens #tagebuchstaben. Meistens mit Wolken und Morgenkaffee. Immer mit #kidsbookswritersmoments und einem Montagsgedicht.)
Diese Woche mit dem Geburtstag einer meiner Lieblingsdichterinnen, der Enthüllung des Covers meines nächsten Kinderbuchs, das im August erscheint, mit einem Brief an eben jene Lieblingsdichterin, mit Sprachfäden und Zauberzeilen, mit einer Überraschung an meinem Geburtstag und mit ungefähr einem Dutzend Koffern, geöffneten Türen und dem Montagsgedicht "Für Rose Ausländer".
Denke an Meer. Knappe zwei Monate noch. Denke an Wörter. Im Meer. Usw. Das ist nichts Neues. Einladung nach Kiel. Ich kanns nicht fassen, in eine Stadt am Meer. Ist zwar sehr viel Aufwand für 60 Minuten, aber ich freu mich, denn ich darf was zu: Dein Wort ist eine Welt stricken. Ich muss heute aufräumen.
In meinen Geburtstag hinein flattern Karten vom Verlag mit dem Cover des neuen Buchs. Tolle Farben, tolles Design. Keine Illustration, sondern Fotos. Sieht aus wie ein Sachbuch, meint Gala, aber dann sieht man das Wort Sternfedern und ist sofort in etwas Poetischem. Mal sehen, wie es den anderen damit geht. Ich freu mich besonders über die Kinder auf dem Cover und breite die Karten auf dem Küchenbord auf. Lila auf Holz. Und ich denke an Rose Ausländer. Eine meine Lieblingsdichterinnen. Sie wird in diesen Tagen 125 Jahre alt. Hätte sie sich über das Kinderbuch gefreut? Wäre sie irritiert gewesen? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall irritiert es mich, dass so wenige die jüdische Dichterin aus der Bukowina heute noch kennen. Celan, ja. Ausländer? Nein.
Nuri, Deniz und die Kraft der Sternfeder. Auf den Spuren von Rose Ausländer.
Und darum gehts in meinem neuen Kinderbuch. Nuris Eltern lassen den 13-Jährigen allein zuhause, während sie im Libanon der Großmutter helfen. Seitdem fühlt sich alles seltsam an: Nuri verläuft sich, schwänzt unabsichtlich die Schule, sein Tisch flüstert, und ein Mädchen namens Meereslöffel wird seine Freundin. Sie gibt ihm geheimnisvolle Zitate der Dichterin Rose Ausländer. Durch Worte und Freundschaft findet Nuri Halt, und sein „Wolkenpudding im Kopf“ löst sich langsam auf. Die Geschichte folgt den Spuren der jüdischen Dichterin Rose Ausländer (1901 – 1988) und zeigt, dass Worte selbst in schweren Zeiten Kraft geben können – unabhängig von Alter oder Herkunft. Mehr Info: https://neukirchener-verlage.de/nuri-deniz-und-die-kraft-der-sternfeder-9783761571187ich gratuliere dir zum 125. Geburtstag. Deine Miniatur von der Welt im Wort begleitet mich und die Kinder, die meine Workshops besuchen, schon lang.

Du hast damit Türen geöffnet. Dahinter Welt. Fantasie, Poesie, Sprachgewebe, „Sternfedern“. Und diese Türen steht immer für alle offen. Willkommenstüren also. Hinaus und hinein gehen die Kindergedanken, spazieren Wortschöpfungen und Sprachen, entwickeln sich Geschichten. „Ich öffne/ alle Türen// Die Welt flutet herein//“, schriebst du. Ja und deine Welt flutet zu uns.
Liebe Rose, ich denke an dein Dutzend Koffer heute, die du bei dir hattest, seitdem du wieder in Deutschland warst. Und in einer Pension gelebt hast, in Düsseldorf. Keine Wohnung. Kein Heimatland mehr. Immer alles in Koffern bei dir. Ich denke auch an die vielen Fluchten. Vor den Nazis. Und dass du dennoch zurückkehrtest, nach Deutschland, dessen Sprache lange die der Täter war.
Und ich denke an das Krokodil deiner Prosa-Miniatur. Das keine Lyrik mag. Lebte es im Koffer? Hattest du es immer bei dir? Zumindest wohnt es jetzt in meinem neuen Kinderbuch. Zusammen mit einigen deiner Verse.
Liebe Rose, war einer deiner Koffer voller Wörter? War da dein „Mutterland Wort“? Ich würde dich so viel fragen, wärest du noch auf der Welt. Jetzt suche ich die Antwort in deinen über 3000 Gedichten und über 10000 Versen. Huh, ein Werkgewebe, unendlich groß. Ich spaziere darin herum und fühle ein Stück deines Zuhauses unter meinen Füßen. Etwas, das ich immer wieder betreten kann. Danke liebe Rose, für das Mutterland Wort, für das Krokodil, für die Sternfeder, für die vielen Zauberzeilen, die Kraft und Glanz haben, zu verwandeln. Sie begleiten mich schon lang, seit 40 Jahren. Damals steckte mir ein Freund einen Band zu. „Hinter allen Worten“. Das erste Gedicht fesselte mich an deine Arbeit. „Das Wunder wartet auf uns“, schriebst du. Das Wunder, das auf mich wartete, waren deine Gedichte.
Liebe Rose, am Ende meines Buchs wartet eine Überraschung für dich, erdacht von zwei Kindern aus Köln. Ich darf noch nicht mehr verraten. Vielleicht schwebt sie ja doch auf irgendeine Weise durch eine deiner Welttüren? Ach, auf jeden Fall hast du nicht aufgehört zu sprechen, wundersamerweise lüfteln sich immer wieder neu Sprachfäden in mein Weltgewebe.
Und dafür sage ich Danke.
Für Rose Ausländer
Sprich liebe Freundin Sprich weiter mir
Sprachsamen für
meine Alfa-Beete
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