

Andrea Karimé
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buchstabenrascheln
andrea karimé, kinderbuchautorin
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(tagebuchstaben sind Minigeschichten und Notate vom Tag, von einer, die für Kinder schreibt, geschrieben in Zeiteinheiten, in denen sie nicht für Kinder schreibt. Ein- oder zweiwöchentlich als Blogartikel. Mit #kidsbookswritersmoments und einem Montagsgedicht.)

Ein Manuskript für Kids wächst, es schimmert aus einem Zimtzimmer (Montagsgedicht), ich höre die Stimme zweier Kleinkinder (eines vergessen), ich lasse meinen Protagonisten beinahe mein ganzes unlogisches Leben tragen, erfrischend und tröstend mich Stimmen von Isabel Allende, Nava Ebrahimi und Salman Rushdie; ich sehe dem fortgetragenen Sommer hinterher.
„Literatur ist mein Universum. Meine Enkelkinder sagen, dass ich ein Dorf im Kopf habe und darin lebe. Und es ist die Wahrheit“, sagt Isabel Allende in der Doku über ihr neuestes Buch. Ich denke darüber nach. In meinem Kopf wächst auch gerade eine Stadt. Sie heißt Geschichte. Sternfedern schnellen hervor, machen sich selbständig. Vieles kommt mir sehr, sehr bekannt vor. „Das alles hatte ich als kleines Mädchen erlebt. Ich musste also nicht viel erfinden, sondern es einfach übertreiben und wie einen Zopf zusammenfügen und verknoten.“ Wieder Isabel Allende in https://www.arte.tv/de/videos/120768-000-A/isabel-allende-den-namenlosen-eine-geschichte-geben/
Ich würde so gern mehr Fantasy schreiben, Welten schreiben, in denen man sich ausruhen kann, verweilen, wohlfühlen. Ohne die Trigger. Mal sehen.
Als ich mein Schlaffenster öffne, weiß ich, dass Schule wieder angefangen an. Meine junge Nachbarin sitzt mit Bäuschen, Pinseln und Tupfern vor ihrem Kosmetikspiegel. In etwa einer Stunde werde ich die hellen Stimmen ihrer Geschwister im Hof sprechen, singen, lachen, wandern hören. Im Dach stolziert eine Krähe zwischen futuristisch gebogenen Schornsteinen herum. Das Wort „futuristisch“ lacht mich aus, als es mich sieht. Mich, die das Ende des Sommers nicht mag. „We need Storys, to understand ourselves”, meint Salman Rushdie. Mein Prota sagt: „Aber etwas krabbelte wie ein ekliger Käfer die ganze Zeit in meinem Kopf herum. Und abends, als ich im Bett lag, merkte ich den so richtig. Der war nämlich eine Frage, die einzig übrig gebliebene Frage. Die so unlogisch war, wie mein ganzes Unlogisch-Leben.“
Das Krokodil schüttelte sich. „Ach, Gedichte, immer Gedichte, was für eine schlechte Verspeisung!“. Ein Satz aus dem laufenden Manuskript. Jetzt macht das Schreiben richtig Spaß. Erste Fassung roh rude krude, (Messi sagt Julia), fast fertig. Das sind DIE Momente im Kidsbookswriterslife. Neue Sprache erfunden. Und: Dass ich nach Sankt Gallen eingeladen bin nächstes Jahr, ohne dass ich mich beworben oder auf mein neues Kinderbuch hingewiesen hätte. Und dass ich mit weißen Kinderbuchautor*innen Kölns eine Veranstaltung plane. Diese Kooperation bedeutet, dass das Wort Gaza ganz bestimmt nicht fällt, es sei denn du bringst es ein. Dass der Struggle in Deutschland nicht besprochen wird und dass alles quasi happydappy ist, bis auf das, was an den Dailylife-Sorgen da ist (für mich hinzukommt). Und an diesem Abend bist du eben auch als arabischstämmige deutsche Kinderbuchautorin für ein paar Minuten Teil davon. Ein Teil der Freude. Und du merkst (temporär), wie sich die Welt-Sorglosigkeit anfühlt. Leicht, taubenfederleicht.
„Zu glauben, es sei alles an seinem Platz, dem einzig richtigen, und das nicht zu hinterfragen, das ist mein Begriff von Kindheit ohne die Erfahrung von Migration!“, schreibt Nava Ebrahimi in ihrer Poetikvorlesung, die das Schreiben meiner Poetikvorlesung über den Blick auf Kindheit beim Schreiben von Kinderbüchern anstupste, gestern, ungeplant, denn ich habe weiß Gott eigentlich vorher noch anderes zu schreiben. Es ist der 2. September, der Text wollte also los, ich noch Richtung, ohne Konzept, während leuchtende Wolkengiganten den Sommer wegtrugen. Ich fühlte mich ein wenig krank, mit Kopfschmerzen und Erschöpfung, ab und zu Gliederschmerzen und wehmütig dachte ich an das Mittelmeer. An Korfu, die Wärme, das Licht und das Schwimmen war der reine Kureffekt. Das dachte ich, während der Sommer fortgetragen wurde, Stück für Stück, während ich über den Zufall lese. Also der Zufall, wer wir sind und an welchem Ort wir sind. Zufall war es nicht, dass ich mit dem Schreiben begann, nach der Lektüre von Ebrahimis Text "Wer ich geworden wäre, wenn alles ganz anders gekommen wäre" über Identität Imagination Schreiben, die Lektüre war dafür eingeplant.
Aber es war Zufall, dass es der genau der zweite September war. In meinen Nachrichten tauchte etwas auf, dass mir einen extremen Aspekt von Kindheit heute vor Augen führte. Vor zehn Jahren wurde ein totes syrisches Kind auf der Flucht angeschwemmt wurde. Es war Alan Kurdi. Er starb mit zwei Jahren und er wurde am Strand Nähe Bodrum gefunden.
Bin ein bisschen krank seit Tagen. Sage hier ab, da ab, mache dies und das. Das kleine Kind meiner Freundin breitet die Vision eines Tanzporters aus. Tanzporter, statt Transporter. Später erfrische ich mich auch noch an einer Notiz im Manteltaschenbuch, das in gerade in meiner Sommerjacke redidiert. Zimtzimmer. Und schon geht es mir besser. Aber warum? Machen Alliterationen gesund? Oder breitet dieses Wort-Zimmer die Möglichkeit für meine ganze Geschichte? Nicht nur für die halbe, wie sonst. Ausgelöst hat diese Wortschöpfung der Vers „Iftah ya simsim“ افتح يا سمسم, das ist Arabisch, stammt aus dem Märchen Ali Baba und die 40 Räuber, also Sesam öffne dich. All das will ein Montagsgedicht werden.
Zimtzimmer
Iftah ya simsim
Sieh da ja Zimtzimt
Sesam-Geschimmer
heute und immer
öffnen die Zimtzimmer
(Iftah ja simsim = Arabisch: Sesam öffne dich افتح يا سمسم)
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Iftah ya simsim
ich sag Simsalabimbim
Kindheitszauber kehrt zurück
Sesam das Tor hinterm Dorn
und heute ists nur noch
ein Korn
Ich freue mich schon auf ein neues Buch :) Ja an das tote syrische Kind erinnere ich mich gut, mein Schatz hat übrigens halb-syrische Wurzeln und die Ereignisse damals machten den ganz lieben Schwiegervater restlos kaputt :(
Ich hatte inzwischen eine einzigartig poetische Reise nach Kairo - das Buch hab ich inzwischen auch besorgt und gelesen. Hier erwähnt.
https://maschas-buch.blogspot.com/2025/09/wmdedgt-von-wassersuche-und-besonderen.html