

Andrea Karimé
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Andrea Karimé
31. Dez. 202513 Min. Lesezeit


Andrea Karimé
14. Dez. 20254 Min. Lesezeit
buchstabenrascheln
andrea karimé, kinderbuchautorin
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sind Minigeschichten und Notate vom Tag, von einer die für Kinder schreibt, geschrieben in Zeiteinheiten, in denen sie nicht für Kinder schreibt. Ein- oder zweiwöchentlich als Blogartikel namens #tagebuchstaben. Meistens mit Wolken und Morgenkaffee. Immer mit #kidsbookswritersmoments und einem Montagsgedicht.

Diese Woche mit einer Kami Katze, mit Weltallsinusitis, mit dem Angstvogel Vier, der im neuen Manuskript eine Heimat findet, mit Recherche in einem Kölner Kiosk(nichtnurdeutsch aka nichtnurtsch), mit weißen Verlagen, die es nicht stört, dass keine Held*in im angebotenen Kinderbuch nurdeutsch aka nurtsch ist, mit Rose Ausländer die mit Schneeleuten kommt, winkend mit der Sternfeder, mit Rolf Dieter Brinkmanns „Tag und Nacht macht weiter“ und dem Montagsgedicht „Wörter sammeln 1“.
Komisches Sekret am Grauhimmel. Sinusitis des Weltalls? Hahaha. Bingewatching und Meditation. Erkältung respektive grippaler Infekt sagen nur sehr langsam Adieu. Himmel blaut an. Schneeschreiben. Ich schreibe, sagte ich mal in irgendeinem Interview, ich schreibe über Kinder, ich schreibe für Kinder, ich schreibe tagebuchstaben, und das ist der Faden, an dem ich mich entlanghangle, die Spur, die durch meine Tage führt. Die gerade leuchten, wegen Schneeblau und Sonne. Minu (aus „Minu und der Geheimnismann“) würde sagen: „Schau mal, die feinen Schneeleute kommen. Jetzt wird alles gut!“
Heut lief mir Kami Katze zu. Oder das Wort Kamikaze. Weil für die morgen folgendes Programm ansteht: Köln Berlin, Berlin Hagen, Hagen Köln. Dazwischen ein Lesung an der FU und eine Hauptprobe mit einem Hagener Orchester und ja: Eine Übernachtung. Kami Katze faucht böse. Vermutlich, weil sie nicht mit Kamikaze in einen Korb geworfen werden will, denn, so schlage ich nach, Kamikaze oder Kamikazeflieger nannte man japanische Kampfpiloten, die sich 1944, als die Lage im Zweiten Weltkrieg für Japan schon fast aussichtslos war, zu Selbstmordeinsätzen meldeten. OMG, das kann ich so nicht stehen lassen. Schließlich bedeutet Kamikaze der göttliche Wind, so zumindest die Übersetzung aus dem Japanischen 神風. Und mit der Retschertsche kommt die interlinguale Entlastung: Kami heißt auch Wir oder Geist. Ein Katzengeist kommt mit auf die Tour. Ein schaurig Miau? Nein, begeistert natürlich! Oder doch nicht? Abends stellt sich ein hohes Fieber ein. Ich muss kurzfristig alles absagen. Honorare byebye.
Ein heller Tag startet mit Pekmez und Tahini und läutet die Woche ein. Ich versuche ins Manuskript zu tauchen, was nicht leicht ist nach Monaten. Aber da kommt mir ein Gespräch mit Véronique zu Hilfe. Plötzlich löst sich der Knoten und die ganze Motivation ist wieder da. Das warum ich dieses Buch schreiben will. Ich sortiere Süßigkeiten aus dem Kiosk in Köln ins Buch hinein. Auto, Spiegelei und Krokodil aus Weingummi. „Wenn das mal keine gute Geschichte ist“, sagt Onkel Yunus. Angstvogel Vier fliegt davon, denn gegenüber auf dem Dach landet eine huhngroße Taube ohne Gefährt*in und schaut mich an. Ich rufe ihr zu: „Ja auch um dich geht’s, liebes Viech.“
Ich bin auf dem Weg in die alte Heimat Nordhessen. Unterrichten respektive Fortbildung leiten. Durchkämme zügelnd Nebel und mein Hirn durchzügelt das Kinder-Buch, von dem ich mich wegbewegen muss, wegen Geld verdienen. Aber egal, ich freu mich über jede Anfrage die gerade meinen Briefkasten durchpflügt. Alles macht weiter, meine Geschichte macht weiter, auch mein Herz, das zu schnell schlägt, warum weiß noch keiner. Die Geschichtenerzähler machen weiter, … das Papier macht weiter, die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht macht weiter … (Rolf Dieter Brinkmann, Westwärts.)
Die Druckfahnen sind da. Gut durchgeschüttelt und gesiebt fallen überflüssige Wörter, Bilder und Buchstaben aus dem Manuskript. Ich freue mich an der schönen Geschichte, und am Verlag, der nicht auf die Idee kam, dass ich doch bitte auch noch eine „normale weiße“ Held*in in die Geschichte schreiben soll. Es ist nicht selbstverständlich. Ganz im Gegenteil. 2025 regnete es mehrfach schlimme Rückmeldungen. (Schließlich könnten sich die anderen Kinder ja dann angeblich nicht identifizieren. Mit Held*innen die „doppeltgemoppelt“ (Celina Bostic) sind, also etwa „nichtnurdeutsch“/ aka nichtsnurtsch sind.) Achachach weint Vogel Kusch. Es ist ein Skandal, zu dem niemand schreit. Oder bin ich schon schwerhörig? Deshalb tuts so weh und deshalb ist die Freude über den Verlag so groß. Rose kommt, ja Rose Ausländer mit ihrer ewig strahlenden Sternfeder und zwei entzückenden doppeltgemoppelten „nichtnurtschen“ Kids.
(Und gleichzeitig an Kabeln Schläuchen und Maschinen ein verwandter Mensch. Verzweifelt, weil er sich nicht verständlich machen kann. Verzweifelt, weil in einer schrecklich unbekannten Gegend. Alles immer gleichzeitig.)
Wörter zum Atmen Schweigen Denken
Wörter zum Spielen zum Zunge verrenken
Wörter aus glücklicher Quatsch-Geschicht
Wörter mit zücklichem
Quatschgesicht
Wörter zum Sprechen
und schreien und Fragen
Wörter zum Basteln Behalten und ___________* (*Hier was Passendes oder Unpassendes, einen Reim oder Unreim, einen Quatsch oder Wort-Matsch einsetzen oder leer lassen, in die Kommis schreiben.) Montagsgedicht von Andrea Karimé
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