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"das wort ist ein geschichtenbüro" erik, 4

  • AutorenbildAndrea Karimé

Mit der "Katze des Rabbiners" – tagebuchstaben 24

Aktualisiert: 7. Juni

Mein Tagebuch/Wochenbuch in Notaten. Mit Rückenweh, einer klugen Katze, einem wunderbaren Comicfest in Erlangen, dem internationalen (sehr traurigen) Kindertag und einem Projektstart mit Zimt und Zeit. Inspiriert durch Sasha Mariana Salzmann und Joann Sfar. tagebuchstaben

"Die Katze des Rabiners", Band 1 von Joann Sfar, Avant Verlag.
"Die Katze des Rabiners", Band 1 von Joann Sfar, Avant Verlag.

Tagebuchstaben 24

Dienstag, der 28.5. (Rücken)

Mal wieder Rücken. Zu lange am Schreibtisch, (respektive im Büro-Bett). Heute Schmerzmittel, Er-Schöpfchen, Gewitter. Dann zwischen heftigem und weniger heftigem Regen: Comic-Salon Erlangen vorbereiten. Sprechen auf dem Panel zu den Comics „Wie geht es dir“. Lustwandeln in den Comicausstellungen Erlangens. Birgit Wheye und Barbara Yelin treffen. Fast vergesse ich den kranken Rücken.

 

Mittwoch, der 29.5.  (Kinder)

Projektstart. Bickendorfer Kinder „schreiben, sprechen, machen Sprache; schreiben Gedichte mit allen Sprachen, die sie mitbringen, und rufen sie in die Welt“. Und sogleich wird zweisprachig geschrieben. Anwesende Sprachen: Türkisch, Albanisch, Persisch und Deutsch. Ich freue mich so sehr darüber, dass kleine „Kalimlarien“ entstehen, dass mein ganzer Tag plötzlich nach „Zimt und Zeit“ riecht. Die Kinder hatten vorher meine Lesung besucht und saßen mit erwartungsvollen Gesichtern und gespitzten Bleistiften über den Blättern.


Donnerstag, der 30.5. (Comic)

Fahrt nach Erlangen. Zu Leuten, die sich dem Polarisierungsnarrativ in Deutschland nicht anschließen. Die für Dialog arbeiten und zuhören. „In den vergangenen Monaten ist mehr denn je sichtbar geworden, dass an dem, was gerade im Nahen Osten passiert, Deutschland die eigenen Befindlichkeiten verhandelt.“ Sasha Mariana Salzmann in „Trotzdem sprechen“, Ullstein Verlag. Das Buch, zusammen mit dem Comicsalon ist ein Highlight für mich seit dem 7.10.23.


Freitag, der 31.5. (Katze)

Ins Hotelzimmer und ins Morgendunkel verfolgt mich die Katze eines Rabbiners mit ihrer weitsichtigen Klugheit. Sie streicht mir um die Beine und sagt: „Begreif doch endlich, dass die Europäer nicht verstehen, dass es arabische Juden gibt. Juden, die aussehen, wie dein Vater existieren für sie nicht.“ Glücklich über das neue Haustier verschlinge ich zwei Bände von Joann Sfar, die mein Zimmer zusammen mit der Spatzenbuschstille zu einem glücklichen Refugium machen. 

Ein Kind auf einer Wiese, Blume in der Hand.
Illu: Faith Pray, US

Samstag, der 1.6.2024 (Kinder)

Heute ist der internationale Kindertag. So viele Kinder im Krieg und auf der Flucht. Jedes Kind auf der Welt hat ein Leben in Frieden und Liebe verdient. Für Kriege sind andere verantwortlich. Kinder werden nicht gefragt.


Sonntag, der 2.6.24 (Ente)

Mieselregen. Dann Bindfäden. Dann Hundkatzen aus Wasser. Ich schreibe Regenbuchstaben, die Laute von sich geben und währenddessen fliegt eine Stockente auf das flache Dach gegenüber. Tapst eine paar Watschelschritte, um sich dann niederzulassen, wie unter eine Dusche. Einige Minuten ist sie allein, schaut sich um, wundert sich vielleicht über den seltsam trockenen Dachweiher, als ein Erpel landet. Nun bewegen sich die gelben Schnäbel.

 

Montag, der 3.6.24 (Mond)


Wer hat die Wolken

über mir geraspelt,

den Himmelsschrank poliert?

Warens die Mondaugen?

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