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"Das Zukunftswesen Akudumadu"- Zukunftsgeschichten schreiben

  • Autorenbild: Andrea Karimé
    Andrea Karimé
  • vor 5 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Warum ich Zukunftsgeschichten (mit Kindern) schreibe

Es ist zu heiß, der menschengemachte Klimawandel bedroht die Erde. Wälder brennen, Wasser wird knapp, Menschen leiden. Kriege werden immer mehr. Obwohl ich den Sommer liebe, -heute der letzte Tag ist, an dem ich den ganzen Tag im Bikini in der Wohnung herumlaufe-, nehme ich die dystopische Realität wahr. Bedrückend und beängstigend. Wie gut, sich mit Fantasie beschäftigen zu können. Nicht als Flucht; wir brauchen Fantasie. Um uns eine besser Zukunft vorzustellen. Seit der Lektüre von Octavia Butlers afrofuturistischem Werk, beschäftigt mich dieser Gedanke. In diesem Blog-Artikel findest du deshalb Gedanken zum Thema Kinderliteratur, Zukunftsgeschichten und Kreatives Schreiben mit Kindern. Mit Kindertexten über Zukunftswesen aus meinen Sommer-Schreibwerkstätten. Mit einem kleinen Zukunftswesen aus meinem neuen Buch. Und Auszügen aus meiner Poetikvorlesung "Fantasiehaus, Gedankendach - Schreiben für Kinder im Zeitalter von Multikrisen", die ich im Oktober 2025 an der PH Schwäbisch Gmünd gehalten habe.


"We cannote create what we can't imagine"

"Es war einmal ein Tier, das nicht wusste ob es ein Zukunftswesen war oder nicht". Das ist der Anfang einer Geschichte von Mira, die letzte Woche eine Schreibwerkstatt besucht hat. Zukunftsgeschichten und Fantasie sind wichtige Räume für alle Kinder, die Gegenwart zu verarbeiten und sich Utopien auszudenken. Vor allem in Zeiten schlimmster Verunsicherung.

Denn: "We cannote create what we can't imagine", so die us-amerikanische Dichterin Lucille Clifton.


Eine dieser Utopien der Kinder ist Frieden. "Imagine peace" ist deshalb ein wichtiges Motto und Langzeitprojekt der Künstlerin Yoko Ono. „Es fehlt nicht an Ideen, Ressourcen oder Werkzeugen, sondern an Vorstellungskraft.“

Kinderzeichnung mit Rakete, Pflanze und grünem Gras-Gekritzel; oben steht Das Zukunftstwesen namens Klementini!

Clifton, Ono und Roig bekräftigen die Wichtigkeit der Fantasie.

Für Octavia Butler, der afroamerikanischen Schriftstellerin und Begründerin des Afro-Futurismus war das Schreiben von Science Fiction ein offener Raum, die Gegenwart mit der Vorstellkraft zu untersuchen.

"Ich fühlte mich von Science-Fiction angezogen, weil sie so offen war. Ich konnte alles tun, es gab keine Grenzen, die mich einschränkten, und es gab keine menschlichen Umstände, die mich daran hinderten, etwas zu untersuchen.[1][2] Octavia Butler - I was attracted to science fiction because it was so wide open. I was able | InspiringQuotes.us

Butler schrieb Geschichten, in der Menschen nicht die Krone der Schöpfung sind, sondern in denen es viel weiter entwickelte Wesen gibt.

David Zabel, Pädagoge, Bildungsaktivist, Pop Cultural Educator und selbstbezeichneter „Afro-Ostdeutscher“ aus Kassel ist ebenfalls Fan von Fantasy-Culture und betont die Bedeutung.

„Dein eigenes Denken, wie du über die Probleme der Gegenwart nachdenkst wird erweitert, du siehts andere Lösungen plötzlich, weil in Fantasy Culture keine Grenzen existieren, und somit verschiebt Fantasy Culture die Grenzen des Möglichen in unserem Bewusstsein!“


Das inspirierte mich, Material für neue Kindergeschichten zu sammeln und über Zukunftswesen nachzudenken. An denen Kindheit reflektiert werde kann. Auf jeden Fall aber neu definierte Held*innen. „Die wahren Held*innen unserer Zeit bauen Brücken – zwischen einer entzauberten, funktionalisierten Welt und einer beseelten, lebendigen Wirklichkeit“, schreibt Emilia Roig in einem Brief an ihren kleinen Sohn. Emilia Roig "Lieber Sohn oder So rettest du die Welt".


Mein zufälliges Zukunftswesen

Überrascht habe ich während der Recherche und des Sammelns festgestellt, dass ich bereits Science-Fiction-Elemente in meinem neuen Buch erzählt habe, von Irem Kurt meisterhaft illustriert. Mein Feder-Bär und die Friedensmaschini.

Buchcover: Mein Feder-Bär und die Friedens-Maschini. Mädchen fliegt  lachend auf Bären mit Flügeln zwischen Wolken

Öykü ist Türkisch und bedeutet Geschichte. Ist der Name der Heldin.  Sie sitzt auf dem empathischen Feder-Bären, dessen Herz schwer wird, wenn Kinder in Not sind.


Rundes Astronautenwesen mit rosa Flügeln schwebt vor dunklem Sternenhimmel mit Kreidewolken und gelben Sternen.
Die Friedensmaschini. Zukunftswesen aus dem Buch: "Mein Feder-Bär und die Friedensmaschini" von Andrea Karimé, illustriert von Irem Kurt. Bestellen: https://weissmann-verlag.de/produkt/mein-feder-baer-und-die-friedens-maschini/

Erstaunt habe ich realisiert, dass die Friedens-Maschini ein Alien respektive Robot ist. Ein Zukunftswesen. Klein, aber sehr sehr weit entwickelt, das zum Beispiel alle Sprachen spricht. Immer lässt die Friedens-Maschini ein Stück Frieden zurück. Doch wie sie das macht, lies im Buch.


Zukunftsgeschichten und Schreibwerkstätten

In den Schreibwerkstätten dieses Sommers mit Schreibland NRW habe ich Kinder inspiriert, Zukunftswesen - und Welten zu erfinden.

Nora aus Erftstadt nahm den Faden auf und erfand ein Wesen, das die von ihr ausgemachten Missstände der Zeit mit stärkeren Kräften und klarerem Verstand beheben kann.

Das Zukunftswesen Akudumadu. Im Jahre 3000 wird ein Wesen entdeckt, das zu unserer Zeit unmöglich klingen würde. Es handelt sich dabei um einen kleinen wuscheligen Hund, der wirklich an einen Hund erinnert, aber von seinen Taten eher einem Roboter ähnelt. Er spürt Gefühle, und er kann, wenn es blöde Gefühle sind, in deinen Körper und die Gefühle aufsaugen. Außerdem wird er in der Politik sitzen und allen die Gedanken geben, nett zueinander zu sein und mehr für den Klimawandel zu tun, anstatt rumzusitzen und zu streiten, was dann zu Krieg führt. So werden alle Kriege enden und nie wieder Kriege geben. Jedes Land wird so ein Wesen haben. Da sie Gedanken weiterleiten, müssen sie nicht mit den Menschen sprechen. Deshalb haben sie unter sich auch nur eine Sprache: Akudumadu. Da die Wesen Akudumadu heißen. Sie werden sich aber immer nur so weit einmischen, dass die Welt friedlich ist. 

Kindliche Zeichnung: schwarzer Hund neben blondem Mädchen; Text: der Hund wandelt die Traurigkeit zur Freude um.

In Zeiten zunehmender Verunsicherung ist es wichtig Zukunft zu imaginieren, von Zusammenhalt und Verantwortung und von den Feinden dessen, von hybriden Held*innen zu erzählen, die Brücken bauen, die weiter sind als Menschen auf der Erde, die etwa mit außerirdischer Empathie ausgestattet sind. Oder aber einfach nur Frieden schaffen. Quasi im Vorbeifliegen, wie in der Geschichte von Elisa.


Mein Zukunftswesen namens Klementini
Es gab in einem fernen Land einen verrückten Erfinder-Hund, der sich einen Freund wünschte. Er las viel in Büchern um sich Ideen zu holen. Heute las er ein ganz besonderes Buch über Obst. Gerade war er im Kapitel über Klementinen. Das war spannend als ein Flyer herausfiel, in dem stand: Klementini, das Zukunftswesen. Cool, fand er. Dieses Wesen wollte er erschaffen. Aber gerade als er anfangen wollte sprang schwubeddi schwabbel Klementini einfach raus. Auf ihrem Brustkorb saß noch ein drittes Auge, was zugegebenerweise ziemlich schaurig war. Aber eigentlich war sie zuckersüß. Der Erfinder-Hund wurde ihr Besitzer. Und sie flogen gemeinsam zum Mond. Und hatten überall Frieden.  

In Kindergeschichten sind Zukunftswesen meistens Friedensgeschöpfe. Aber auch visionäre Schulen könnten erfunden werden.


„Ich wünsche mir eine Schule, in der ein Hotel nebendran ist, für jedes Kind ein Zimmer zum Ausruhen!“, schrieb Anil vor Jahren in einer Schreibwerkstatt.
Violette Handschrift auf weißem Papier mit Strichmännchen: Das Friedensmonster für dich, verspielt.
Das ist Friedie, erfunden von Ella in der Schreibwerkstatt in Düsseldorf Gerresheim letzte Woche.

Ella beginnt ihre Geschichte "Friedie und Planet Natur-Glück" über die Weltrettung durch ein Zukunftswesen so:

"Eines Tages entdeckten Wissenschaftler einen neuen Planeten. Sie nannten ihn Planet 2,30 C. Doch da wusste noch niemand, dass Planet 2,30 C die ganze Erde verändern würde."

Schöne Vorstellung. Schön erzählt.


Octavia Butler


Vielleicht ist es aber auch andersherum. In Octavia Butlers inspirierender 1989 erschienenen Romantrilogie "Xenogenenis" erzählt sie unter dem Motto "Um die Menschheit zu retten, muss sie für immer verändert werden", von hochentwickelten Wesen namens Oankali, die den von den Menschen zerstörten verwüsteten Planeten Erde entdecken. Sie retten einige Menschen, weil sie sich für die Gene interessieren. Sie erkennen, dass die menschlichen Gene viel Zerstörerisches enthalten ...

Dieser Artikel endet abrupt in einer zukünftigen Buchidee, die hier noch nicht verraten werden darf.


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