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"das wort ist ein geschichtenbüro" erik, 4

  • AutorenbildAndrea Karimé

"Life does’nt frighten me" - tagebuchstaben 17

Aktualisiert: 24. Apr.

von ocean bis Tröpfchen

Meine Woche mit viel von dem, was mich trägt; Inspirationen und Würdigung, einer kleinen Reise, Anstupsern und Kraftsaft von Maya Angelou, Unica Zürn, einigen Krähen und einem sehr leeren Schreibe-Schopf.



Dienstag, der 9.4.2024 ( ocean)

Wolkenknäul. Ich weiß noch nicht, ob sie es gut meinen. Kann noch nicht erkennen, wie viel Licht im Kern ist. Als ich mein Rollo hochflitschen lasse, schaut mich eine Fliege an, die reglos an der Scheibe sitzt/hockt/wartet. Auch die Bewegung scheucht sie nicht auf. Ich weiß was das bedeutet: Sie hat nicht mehr viel Lebenskraft. Da denke ich an Maya Angelou, die so viel davon hatte.  Trotz allem Rassismus und Sexismus, den sie gelitten hat. „I ‘ve got a magic charm/ That I keep up my sleeve/ I can walk the ocean floor/ And never have to breathe/ Life does’nt frighten me at all”

Heute lesen wir sie in meinem Seminar.

 

Mittwoch, der 10.4.2024 (Buchmesse)

Träume von einer winzigen Buchmesse irgendwo in Berlin, in einer Villa. Zwei weiße Damen und zwei Krähen mit tortenhohen Frisuren (Sandtortentürme) sitzen sich an einem alten Eichentisch gegenüber. Sie haben gerade einen Verlag gegründet und mich und Susann Bee ins Programm genommen. Nur leider ist meine Seite in der Vorschau verschwunden. Aber die Krähen zeigen sie mir am Bildschirm; alles war poppig bunt, Niki-de-Saint-Phalle-mäßig. Dann treffe ich Nils Mohl, der mich hektisch zu seiner Lesung im Literaturhaus einlädt, die Miriam Schellbach moderieren sollte. Ich steige in eine Art Fahrstuhlkammer. Die wurd von einem Kran bis zum Literaturhaus Berlin geflogen. Miriam Schellbach öffnet das Fenster wiederum einer Villa. Ich erwäge noch Nils zu fragen, warum Planetenspatzen keine Lyrikempfehlung für Kinder wert ist. Aber dann fällt mir ein: Er war ja gar nicht in der Jury.

 

Donnerstag, der 11.4.2024 (Tröpfchen)

Über Balkonpappel Orchester mit Papageigen. Online-Seminar ermüdet. Weil die Teilnehmer*innen sich diesmal so arg zurückhalten. Ich erfahre kaum, nur Tröpfchen. Was für ein Kontrast zum herzoffenen Eifer der letzten Woche. Nächste Projekte: Köln Bickendorf Wir sprechen, wir schreiben, wir machen Sprache mit Yasemin Aslanhan und Renate Klette von Kultur im Veedel; Köln Lesewelten Jubiläum #wasichderweltsagenwill; Oberhausen #Kinderkräfte ; Würzburg politischer Kinder- und Jugendgipfel #wasichderweltsagenwill; Wuppertal, Leseratatouille: Wörterküche, Geschichtenkuchen. Altenberger Dom: #wasichderweltsagenwill. Die Vorfreude ist groß und trägt mich durch die traurige Zeit. Für die Osterferienschreibwerkstatt in Leverkusen 25 gibt’s schon Anmeldungen 😊

 

Freitag, der 12.4.2024 (flimmen)

Bin kränkelnd. Mal wieder. Halskratzen und Schnupfen. Was soll da schon aus der Tippfeder fließen? „Hinten- die kleine Stimme des Augenblicks. Es/ ist meine beste Kugel im Sinken. Das Endliche/ hinkt leise um die gelben Ecken …“ Unica Zürn

Kleine Stimme, gelbe Ecken. Das triffts. Um die gelbe Bett-Ecke unter der grünen Bett-Decke flimmt sie, flinkt sie, hinkt sie, sinkt sie, die kleine Stimme meines Augenblicks. Flimm-Stimme. Meine Arme sind schwer die Finger hurtig-heiß, Geist im Klopfkopf.

Samstag, der 13.4.2024 (Wellen)

Tagebuchstaben fielen letzte Woche fast runter, und zwar hinten, so voll war die Woche. Und heut auch noch. Der Himmel liegt in Wellen, Krähkommentare und wieder Papageige auch hier in Kassel. Atemzug für Atemzug schreibe ich den Vormittagpfad, bis meine Fortbildung anfängt. Mein Tag ist ein Ensemble. Denke an Anna Oppermann in ihren „Ensembles“, also Ansammlungen, Zusammenspielen, Zusammenlegungen, Zusammenstellungen. „Komplexität muss ja irgendwo in dieser Welt noch einen Stellenwert haben. Es ist unmöglich, ein Problem in Angriff zu nehmen, ohne zu berücksichtigen, dass jedes Problem in andere Problemfelder eingebunden ist“, schreibt sie, die Kluge, die Rebellin.


Sonntag, der 14.4.2023 (Spielen)

Geschichtenerzählerin und Forscherin Kristin Wardetzky, eine wahre "Grande Dame der Geschichten". Voller Leidenschaft für Kinder und das mündliche Erzählen blitzt es noch immer aus 82jährigem Augensilber. Mit unendlicher Güte und Wärme und zutiefst sensibel erzählt sie von ihren Schulprojekten mit geflüchteten Kids, wie sie sie zum Erzählen inspiriert hat, wie sie das Projekt "Erzählzeit" konzipiert und in alle Schulen in Berlin gebracht hat. Ich verfolge ihre Arbeit schon lang, weil ich auch an die Kraft des mündlichen Erzählens glaube und traurig feststelle, dass in der Schule viel zu früh alles verschriftet werden muss. Und welche Lernschancen sich ergäben und eben in Kristins Projekten ergeben haben. Und nun hatte ich die Ehre, an einem Workshop mit ihr teilzunehmen. Wir spielen Spiele wie Zip, Zäp, Boing und „unglücklicherweise“, ein Erzählspiel, das ich in der nächsten Schreibwerkstatt gleich mal probiere. Hab lang nicht mehr so viel am Stück gelacht. „Das Lachen beim Versagen ist großartig“, sagt Kristin, als wieder Lachanfälle durch den Saal rollen, „wo gibt’s das im wahren Leben noch?“Fahre anschließend zu meiner Mama aufs Dorf.

 

Montag, der 15.4.2024 (Montagsgedicht, Preview)

Worthund  

Es regnet

Bleistifte

aus Regenrüsseln

Regenschüsseln

der Hund namens

Love oder Laf

träumt von

klopfenden

Futtertropfen


laf=wort (türkisch)

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