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"das wort ist ein geschichtenbüro" erik, 4

  • AutorenbildAndrea Karimé

Federbärwörter. Von Schimmerblau bis Krähe

Aktualisiert: 11. März

tagebuchstaben 12



Dienstag, der 5.3.24 smia


Smia ist unter anderem ukrainisch und kroatisch, und es bedeutet Schlange. Das Wort schmiert schlangenhaft durch meine Morgenseiten. Aber warum? Poetische Intuition? Wortmagie? Wer schmiert da durch die Stadt/ es ist die Schlange Smia/ sucht eine Pizzeria/ weil sie noch nichts gegessen hat. Ok, noch gefällts mir nicht. Aber es schmiert sich heran

 

Mittwoch, der 6.6.24 (Minia-Tür)

Heute habe ich meine Bewerbungsgedichte an Irsee geschickt. Ich will im Sommer die Meisterklasse von Arne Rautenberg machen. Meine aktuellsten Texte habe ich zusammengestellt. Durch die Montagsgedichte-Verpflichtung habe ich immer frische Gedichte.  Manche besser manche schlechter, aber immer was da. Meine kleine Hebräisch-Arabisch Reihe hab ich geschickt sowie Minia-Türen.

Eigentlich bin ich empört(chen) mich bewerben zu müssen. Aber das bringt nichts. Umschlag zu, Texte weg.

 

Donnerstag, der 7.6.24 (Kinderbuch)

Gestern ist das Podcastgespräch mit Georgina Fakunmoju erschienen. Ich spreche mit ihr u.a. über den weißen Kinderbuchbetrieb und absolut niederschmetternde Frühjahrs-Zahlen. Ich habe 5 Vorschauen gesichtet und dann hatte ich keine Lust mehr: 300 Neuerscheinungen und 292 weiße bevorzugte Autor*innen. Und fast 100 Prozent weiße Illustrator*innen. Wen störts? Frage ich ernsthaft? Und was sind die Konsequenzen? Selbst Eltern of Color protestieren selten; auch ihnen scheint es zu genügen, wenn die Kinderbuchtitel schön „bunt“ aussehen. Wenn die „bunten Held*innen“ von weißen Autor*innen erfunden und erzählt werden. Ich denke meine Rants werden weniger werden und in andere Richtung gehen. Was soll der einsame Aktivismus? Und weiße Kolleg*innen atmen zum Teil sicher auf: Der Trend ist definitiv rückläufig.

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Freitag, der 8.3.2024 (Krähe)

Heute ist der internationaler Frauentag. Was alles ausfällt wegen des Bahnstreiks. Gestern unsere Lesung für Demokratie und radikal Vielfalt, heute der Workshop „Weiblichkeit schreiben“ mit Barbara Peveling. Weniger ist aber immer mehr. In die Lücken fließen Traumsurrogate und Fantasiestoffe. Vogelengel und Lämmchenseide. Aber auch eine Krähe fliegt in einen Text. Gezähmt von einer Heldin, die seltsam heißt und Sesam ist.


Samstag, der 9.3.2024 (schimmerblau)

Schimmerblauer Asphalt. Schecken von Katze und Kaugummi. Ein Blauhimmelchen in jedem Auge, das vorbeigeht. In der Straba fragt mich eine Frau unvermittelt, ob ich Iranerin wäre. Mit einem leichten iranischen Akzent. Der wohnt schon seit 30 Jahren in meinem Ohr. Damals im Frauentreffpunkt international, traf ich täglich Iranerinnen bei meinem Job, und mein Name wurde iranisch gelesen. Diese Frau las mein Gesicht iranisch. Mal so, mal so. Ich sage, nein, und Choda Hafes, als sie geht. (Erlebnisse mit der Dilltasche.)

 

Sonntag, der 10.3.2024 (mutloss) 


Mutloss erreicht mich mal mal wieder. Schreib-Mut-Loss.

Jede*r Schreibende kennt das: Vergleiche. („Die anderen sind viel erfolgreicher.“) Absagen. („Werde ich jemals wieder ein Buch veröffentlichen?) Imposter-Sydrom (Jetzt merken alle, dass ich doch nicht so gut bin.) Verramschung eines Titels.


Diese Woche habe ich 5 von 5 schreibmutlosstage gehabt. Mittlerweile schaffe ich es immer wieder raus. Mal schneller mal langsamer.


Wichtig ist zu wissen: Das sind Charakteristika unseres Berufs. Ich bin jetzt fast 20 Jahre dabei und erlebe immer wieder Mutloss-Wellen. Ich bin drauf gefasst. Es wird auch nicht weniger. Aber ich weiß was ich tun muss, damit's vorübergeht.


  1. Weiterarbeiten, egal wie, bringt‘s.

  2. Spazierengehen und den Stoff im Kopf und in der Manteltasche bewegen.

  3. Erinnern, dass Talent, Glück und Disziplin zu Erfolg verhilft, aber das wir nur auf Disziplin Einfluss haben.

  4. Erinnern, dass Qualität nicht ausschlaggebend ist für Erfolg. Im Kinderbuchbereich beeinflusst meistens das Mannnihanni und die Angepasstheit die Narritive.  

  5. Texte von Kreativitätstrainer*innen lesen oder hören. (zum Beispiel „Big Magic“ von Elisabeth Gilbert kostenlos auf Spotify oder Ann Lamott „Bird by bird“)

  6. Gute Feedbacks durchlesen.

  7. Blicke mit Stolz auf dein bisheriges Werk. „Hör auf, dich an dem zu orientieren, was andere tun, und blicke auf das, was du erreicht hast. Schau nicht zur Seite, sondern in die Richtung, in die du gehst.“ Jocelyn Glei.

Montag, der 11.3.24 (Zauberkeks) Montagsgedicht-Preview

Und I wish den Kindern in Kriegen einen Vogel-Engel, der Zauber-Stern aus Lieblings-Gefieder schüttelt, wann und wie immer sie es wünschen, der Keks ist und Lied, einen Engel-Vogel, Federbär usw, Geschichten zum Trost erzählend, zum Segen, und Ängste einsammelt, mit seinem Schnabel aufpickt und sie an den Himmel pinnt, weit weg von Kindern in Kriegen. Inspiriert durch eine Zeichnung von Constanze von Kitzing entsteht dieses Gedicht. Allen Kindern.

 

Flieg, Federbär, flieg


Flieg, Federbär, flieg

sei Fieder, wiege, sing Lied

bring Frieden und Feed

Kindern, Kindern im Krieg


spiel Zauberkeks sei Augenweide

Herzschal ganz aus Lämmchenseide

zupf Ängste vor und wirf sie weit fort

tupf Immertrost und Kicherwort


Flieg, Federbär, flieg



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